Artikel aus der Sächsischen Zeitung
vom 28. Januar 2004

Ländliches Bauen



Christina und Peter Klausch vor ihrem Vierseithof in Brößnitz. Nach einer Erbschaftsklärung übernahm das Paar das Familienerbe und sanierte das Mühlengrundstück liebevoll. Peter Klausch ist nun Rentner und verwaltet den Hof. (Foto: P. Kuner)



Die Stange-Mühle ist wieder ein Schmuckstück

Christina und Peter Klausch aus Brößnitz wurden für ihr Engagement ausgezeichnet



Im Jahr 2000 kam Christina Klausch als Eigentümerin in das Grundstück zurück, in dem sie geboren wurde. Ihrer Mutter hatte sie am Sterbebett versprochen, die Stange-Mühle wieder zum Leben zu erwecken. Auch wenn ihr Mann damit gar nicht einverstanden war.

von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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"Bis ins 16.Jahrhundert geht die Geschichte der Stange-Mühle zurück", sagt Christina Klausch. In der Brößnitzer Ortschronik ist erstmalig 1721 von Bauer Hans Stange und seiner Wassermühle die Rede. Christina Klauschs Vater war dann Müller Konrad Stange, der 1952 enteignet wurde. "Man hat ihn der Wirtschaftssabbotage angeklagt, weil er sein Soll nicht erfüllen konnte", erzählt die noch in der Mühle geborene Brößnitzerin. "Dafür saß er sogar ein Jahr in Bautzen im Gefängnis."
Die Familie verließ ihren beschlagnahmten Hof Richtung Westdeutschland, auf dem Grundstück wurden ein Konsum und Wohnungen eingerichtet, das Land der LPG zugeschlagen.


Bis aufs Letzte runtergewirtschaftet

Als Christina und Peter Klausch aus Nordrhein-Westfalen vor vier Jahren nach Brößnitz zurückkamen, fanden sie den rückübereigneten Hof "bis aufs Letzte runtergewirtschaftet". Die Dachbalken waren im Wohnhaus rausgerissen, die Dielung verfeuert. Überall musste Müll beräumt werden. Peter Klausch, gebürtiger Finsterwalder, sah die Arbeit, die hier wartet, und wollte auf keinen Fall bleiben. Doch seine resolute Frau hatte ihrer Mutter auf dem Sterbebett versprochen, das Familienerbe zu bewahren. Am 1. April 2000 war Baubeginn. Die Klauschens sind beide als Bauingenieure vom Fach. Das machte die Sache etwas einfacher. Genau schauten sie sich die Angebote der regionalen Handwerksbetriebe an, urteilten nicht nach dem Preis, sondern nach der Qualität. Schritt für Schritt sanierten sie komplett das Mühlengebäude, ihr heutiges Wohnhaus, und das Auszugshaus.


Originale Verzierung lässt auf Wohlstand schließen

Der Vierseithof ist in seinem frischen Gelb mit weißem Besatz nun wieder ein Schmuckstück im kleinen Brößnitz. Besonders sticht aber die Verzierung des Auszugshauses direkt an der Straße hervor. Sie lässt auf einigen Wohlstand schließen. "Das ist der originale Stuck, der früher auch am Mühlengebäude dran war", erklärte Christina Klausch. Dort ist er jedoch im Laufe der Zeit abhanden gekommen. Ein Wohnhaus steht mit der Jahreszahl 1905 in der Liste der örtlichen Kulturdenkmäler. Es ist das Auszugshaus, das damals gebaut wurde.
Noch vor den Sanierungesarbeiten musste sich das Ehepaar beim Amt für ländliche Neuordnung in Kamenz um Fördermittel streiten. "Wenn wir nichts kriegen, hauen wir eben wieder ab", machte Frau Klausch damals Druck. Die Unstimmigkeiten zu den Unterlagen konnten beigelegt werden. Später dann schlug eine Beraterin des Amtes sogar selbst die Teilnahme am 9. Landeswettbewerb "Ländliches Bauen - Erhalten - Pflegen - Gestalten" vor. "Im vorigen Jahr kam eine große Abordnung mit dem Bus an, um unseren Hof zu begutachten", sagte Peter Klausch. Das hat geholfen, die Stange-Mühle wurde als eines von 57 Projekten in Sachsen mit einer Auszeichnung nebst materieller Anerkennung bedacht. Das Geld sei mittlerweile schon wieder für Fliesen draufgegangen, so das Ehepaar. Denn im Auszugshaus soll nun eine Wohnung fertigestellt werden. Als nächster Bauabschnitt ist dann die Sanierung des Mühlenteiches dran.
"Die Auszeichnung von Staatsminister Steffen Flath höchstpersönlich war schon ein großartiges Gefühl. Ein Stück Anerkennung für die Mühen, die die Klauschens in die Stange-Mühle investiert haben. Auch zum Wohl des Dorfes, dessen Ortsbild sich dadurch verschönerte. Peter Klausch hatte sich auch für das Örtliche Entwicklungskonzept eingesetzt. Doch leider wurde Brößnitz kein Förderdorf mehr.




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